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Helmut Creutz - Das Geld Syndrom

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1 Helmut Creutz - Das Geld Syndrom am Mi 2 Sep 2009 - 18:35

Gast


Gast
Das beste (Hör-)Buch, das ich zum Thema Geldsystem kenne:

Helmut Creutz - Das Geld Syndrom

Aus dem Verlagstext:
"Warum werden die weltweit vagabundierenden Geldströme immer größer, weshalb reagieren die Kurse an den Aktien- und Devisenmärkten immer verrückter und warum bekommen die Notenbanken Geldmenge und Kaufkraft nicht in den Griff? Vieleicht haben Sie sich auch schon gefragt, warum wir jedes Jahr unsere Wirtschaftsleistung steigern müssen und trotzdem mit einer immer größeren Verschuldung, Armut und Arbeitslosigkeit konfrontiert werden? Helmut Creutz veranschaulicht auf verblüffende Weise, wie all diese Fehlentwicklungen mit den Strukturen unseres Geldsystems zusammenhängen, und bietet sinnvolle und kompetente Lösungsvorschläge."

Zum Reinlesen gibt es hier die Onlineversion einer alten Auflage von 1993:

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/

Das Buch war für mich der Augenöffner, durch den ich die ganze Problematik vollständig verstanden habe. Ich nutze es auch gerne zum Nachschlagen, wenn ich in Diskussionen mit meiner Argumentation steckengeblieben bin. Ich würde das Buch als Standardwerk bezeichnen, die 16,80 Euro sind mehr als gut investiert Wink

2 Re: Helmut Creutz - Das Geld Syndrom am Do 3 Sep 2009 - 11:29

Gast


Gast
Nur als Hinweis:

Creutz geht nachwievor von einer multiplen Geldschöpfung aus, die so nicht mehr zutrifft. Wir haben stattdessen ein fraktionales Reservesystem.

Die Zeiten einer Ersteinlage, wie bspw. ein Goldklumpen im Wilden Westen, sind längst vorbei.

Aus Creutz Betrachtung ist Bargeld also einfach mal da. Woher es kam, ist irrelevant. Es scheint auf Bäumen zu gedeihen, wird eingezahlt und dann kann die multiple Geldschöpfung beginnen.

Gruß!

3 Re: Helmut Creutz - Das Geld Syndrom am Do 3 Sep 2009 - 15:55

Gast


Gast
Interessant ist es trotzdem allemal, wenn auch vielleicht nur um die Fehler zu verstehen. Wink

Ich habe es gerade verliehen und habs auch bisher nur angelesen. Ich meine aber mich zu erinnern, dass er der Geldschöpfung auch ein paar Kapitel widmet. Kann mich aber auch irren. Razz

Gruß Markus

4 Das Buch ist als Einstieg wunderbar am Do 3 Sep 2009 - 21:37

Axel

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Ob nun die multiple Geldschöpfung, bei der Geld vorher existieren muss bzw. von "außen" zugeführt werden muss und die sich selbst nach kürzester Zeit selbst "umbringt" oder die heute gültige Mindestreseve Geldschöpfung in dem zweistufigen Geldsystem bei vollständiger Trennung der Bankinternen und Wirtschaftsinternen Zahlungsmittel (ZBG und GBG), ist für den Inhalt des Buches nicht ganz so wichtig.

Die Statistiken, die Wirkungen und die Erscheinungen sind fast unabhängig von der Art der Geldentstehung.

Ein paar monetäre Entwicklungen lassen sich mit der multiplen Verfahrensweise beim besten Willen nicht erklären. So z.B. die Entwicklung von M3 als auch die exorbitante Zunahme des Bargelds.

Creutz sieht leider nicht, das nur noch das Bankengiralgeld Zahlungsmittel sind, die auch mal die Form von Bargeld annehmen können. Die Trennung der Gelder im Jahr 1957 mit Vollendung im Jahr 1994 ist nicht nur an Creutz unbemerkt vorbeigegangen, sondern auch auch an den Zentralbankern.

5 Re: Helmut Creutz - Das Geld Syndrom am So 6 Sep 2009 - 21:10

Gast


Gast
Die Sache mit der Geldschöpfung ist ein heißdiskutiertes Thema, was aber tatsächlich dem sehr guten Buch keinen Abbruch tut.

Helmut Creutz geht auf das Thema sehr ausführlich und meiner Meinung nach logisch nachvollziehbar in Kapitel 11. & 12. der aktuellen 5. Auflage (2003) von "Das Geld-Syndrom" ein (Die Geldschöpfung und -versorgung durch die Notenbanken; Die "Geldschöpfung" durch die Geschäftsbanken).

In der 4. Auflage von 1997 ist das Thema noch nicht ganz so auführlich in Kapitel 11 beschrieben: http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/kap11.htm

Soweit ich Helmut Creutz verstehe, geht er davon aus, dass nur die Zentralbank Geld schöpft. Die Geschäftsbanken können nach seinen Ausführungen kein Geld schöpfen (weder als multiple Geldschöpfung, noch als "fraktionales Reservesystem").

Und selbst wenn es diese Geldschöpfung der Geschäftsbanken gäbe, so wird aus Helmut Creutz Ausführungen mehr als deutlich, dass diese spätestens in einem neuen Geldsystem nicht mehr möglich sein darf, da sie die Geldmengensteuerung der Zentralbank unmöglich machen würde.

6 Geldschöpfung am Mo 7 Sep 2009 - 7:57

Gast


Gast
Um über Geldschöpfung sprechen zu können sollten zunächst einmal die Begrifflichkeiten geklärt werden. Welche Geldmenge ist denn nun gemeint, die von wem geschöpft werden kann?

Welcher Theoretiker mag hierzu mal etwas in kurzer Form zusammen fassen um alle auf einen gemeinsamen Stand zu bringen?
(Denn ansonsten hantieren wir mit gefährlichen Halbwissen und streiten uns an Fronten die keine sind)

Danke & Gruß
tke

7 Re: Helmut Creutz - Das Geld Syndrom am Mo 7 Sep 2009 - 10:25

Gast


Gast
NB = Nichtbank
GB = Geschäftsbank
ZB = Zentralbank
GBG = Geschäftsbankguthaben
ZBG = Zentralbankguthaben

Ich übernehme mal eine Definition aus dem Finanzcrashforum:

1. "Geld i.w.S."
besteht aus Bargeld, ZB-Giral und GB-Giral

2. ZB-Geld (ZBG; GZ)
ist '(alles) Bargeld + ZB-Giral'

3. Geldbasis (M0), auch: Interbankengeld (IB-Geld = IBG)
besteht aus 'Bargeld innerhalb' (der GBn) + ZB-Giral'

4. Geldbasis (M0; IBG)
ist das Zahlungsmittel im Interbanken-Zahlungsverkehr

5. GB-Geld (GBG; M1 - M0)
ist synonym mit : GB-Giral, Sichtguthaben, Buchgeld, (nullfristiger) Geldanspruch u.ä.

6. GELD (M1), auch: Geld i.e.S., monetäres Zahlungsmittel, (monetäre) Kaufkraft, oder einfach: Nichtbankengeld (NB-Geld)
besteht aus 'Bargeld ausserhalb' (der GBn) + GB-Giral'

7. GELD ist das (allgemein akzeptierte) Zahlungsmittel zwischen Nichtbanken & Nichtbanken sowie zwischen GBanken & Nichtbanken.

8. Geldbasis (M0; IBG) stellt die tatsächliche und variable Deckung/Basis von GELD (NBG) dar. Geldbasis ist die Sonne, und Geld ist der Planet(en).

Da im geläufigen Sprachgebrauch mit Geld das gemeint ist, womit man (als NB) bezahlt, ist hier also die Geldmenge M1 gemeint und damit GBG + Bargeld außerhalb der GB. Bargeld stellt hier gewandeltes GBG dar, das gleichzeitig das ZBG der GB verringert.

Zur Schöpfung i.A.:
ZBG können nur ZB im Kreditvertrag mit GB schöpfen.
GBG können nur GB im Kreditvertrag mit NB schöpfen.

Die Abhängigkeit zwischen ZBG und GBG bei der Schöpfung besteht in der Mindestreservevorschrift (2% des in der GB vorhandenen/geschöpften GBGs muss mit ZBG gedeckt sein), die die GB ggf. auch nachträglich korrigieren kann, da die Einhaltung dieser Vorschrift nur zu bestimmten Stichtagen überprüft wird.

Die GB kann folglich vollkommen ohne vorherige Einlage GBG schöpfen.

Deutlich wird dies insbesondere bei der Vergabe eines Staatskredits:

Die GB kauft hier Staatspapiere vom Staat und schreibt ihm GBG in entsprechender Höhe gut. Daraufhin gibt die GB die Staatspapiere bei der ZB in Pension und da diese von der ZB mit 100% bewertet werden, erhält sie entsprechend ZBG gutgeschrieben.

Damit ist das vorher geschöpfte GBG nachträglich gedeckt.

Es wird hier ebenso deutlich, dass jegliches vorhandene Zahlungsmittel im Publikum nur durch einen vorher getätigten NB-Kredit bei einer GB entstanden sein kann. Eine Einzahlung von GZ bei einer GB, die angeblich als Basis der multiplen Geldschöpfung dienen könnte, kann überhaupt nur durch eine vorherige Auszahlung von GZ von einer GB getätigt werden.

Gruß!

8 So ist es, es war aber mal anders am Mo 7 Sep 2009 - 18:02

Axel

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Mit der Einführung des ZB-GB und GB-NB Prinzips, des zweistufigen Geldsystem, ist es so wie tar es beschrieben hat.

Zu Creutz seinen Zeiten, zumindest bis 1957 und auch noch die ersten Jahre danach, bis sich die Konten und Überweisungen durchgesetzt haben, musste neues Geld von außen zugeführt werden. Diese Zuführung erfolgte durch die Regierungen von Staat und Land, die direkt bei der Notenbank neues Geld bekommen haben, das nun zusätzlich existierte und mittels Einzahlung zu Spareinlagen bei Banken zu wurden.
Irgendwelche anfallenden Zinsen sind nach Abzug der Ausgaben dem Staat bzw. bei den Landesbanken dem Land überwiesen worden.

Heute gibt es diese externe Quelle nicht mehr. Heute entstehen Zahlungsmittel in der von tar beschriebenen Weise.

Das endogene Geldsystem von heute, das sich selbst hilft und ohne externe Quelle sich selbst beliebig aufblähen kann, muss nun in zwei verschiedene Gelder aufgeteilt werden. Eben dem Interbankengeld, dem ZBG und dem Geld, mit dem wir bezahlen, dem GBG. Wenn Bargeld auftaucht, geht es immer zu Lasten des vorher per Kredit erzeugten Girals (bei Banken auch Pensionsgeschäfte).
Bargeld trägt heute die Eigenschaft "ich bin ein anfassbares ZB-Giral einer Bank" und wenn es abgehoben wird die zweite Eigenschaft: "ich bin ein manifestiertes GB-Giral bzw. ein anfassbarer Kredit".

Noch einmal zurück in die Zeit vor 1950: Hier war Bargeld einfach nur Geld, das von den Regierungen in den Umlauf gebracht worden ist.

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